Es gibt wenige Spiele, welche die einzigen ihrer Art sind. Budokan ist in vielerlei Hinsicht ein solches. Die ausklingende Ära des Karate-Booms brachte Anfang der 90er ein Spiel hervor, das den Geist der Kampfkünste wirklich atmete.

Blickt man heute in die Spielelandschaft, sind Simulationen der Kampfsportarten Mangelware. Mit Karate Master 2: Knockdown Blow gibt es zumindest einen Indie-Ansatz, der sich der Thematik in ähnlicher Weise nähert, wie Budokan einst. Das Charisma des Klassikers erreicht der Cransoft-Titel jedoch nicht.

Enter The Dojo

Wenn schon Kopierschutz, dann wenigstens charmant – wir befinden uns vor den Toren des Dojos und müssen das richtige Familienabzeichen aus einer beiliegenden Papp-Drehscheibe benennen, bevor wir würdig sind die heiligen Hallen zu betreten. Anschließend haben wir die Möglichkeit uns in vier Kampfkünsten zu schulen (Karate, Bo, Kendo & Nunchaku), im Sparring auszutesten oder den Meister um Rat zu befragen. Die Top-Down Grafik im Dojo ist zweckmäßig, sobald die Kämpfe beginnen schaltet das Spiel in eine malerische Seitenperspektive, die nach heutigen Maßstäben veraltet ist, nach künstlerischen Gesichtspunkten aber immer noch eine wunderschöne Kulisse bietet.

Master The Art

Egal wie viele Fighting Games du schon gespielt hast – vergiss sie alle. Blitzschnelle Finger-Akrobatik bringt dich hier nicht weiter. Bei Budokan geht es darum mit den Kräften hauszuhalten, den richtigen Move zur richtigen Zeit durchzuziehen und geschickt zu blocken. Ein Tastendruck löst nicht direkt einen Kick aus, vielmehr reiht ihr verschiedene Animationsphasen aneinander, so dass ihr das Gefühl von echter Kontrolle erhaltet – jüngere Zocker fühlen sich eventuell an die Fighting Stance Switches in Tekken erinnert. Die Steuerung ist nicht ganz einfach, manchmal zu indirekt und hakelig, aber aufgrund der Originalität des Spiels ist das verschmerzbar. Anno 1990 waren die Ansprüche diesbezüglich zudem noch deutlich geringer.

Test Your Skills

Wer sich sicher genug fühlt kann gegen Sparringpartner verschiedener Schwierigkeitsgrade antreten und erhält am Ende eine Bewertung des Kampfes, inkl. der Beurteilung von Stärken und Schwächen. Diese ist in der Regel recht aussagekräftig und bildet den Spielstil des Spielers akkurat ab. Am hinteren Ende des Dojos habt ihr die Möglichkeit gegen Sparringpartner anderer Stile, oder menschliche Gegner anzutreten, bevor ihr den Meister aufsucht und euch schließlich auf den Weg gen Budokan macht.

Dort wird es letztlich ernst. Ihr zieht als ein Team, bestehend aus den vier Kampfkünsten eures Dojos, in Tokyo ein und tretet gegen Vertreter exotischer (Yari, Tonfa, Kusari-Gama) und klassischer (Ninjitsu, Karate) Stile an – die 90er Definition von MMA. Der letzte Kampf hat gar etwas philosophisches an sich, insofern man ihn so interpretieren möchte.

The Martial Spirit

Seinen Untertitel trägt Budokan zurecht. Wer ein authentischeres Kampfkunst-Erlebnis sucht, muss sich schon selbst bei einer entsprechenden Schule anmelden. Einen großen Anteil daran hat der idyllische, teils sehr reduzierte Sound, der im richtigen Moment auch mal aufdreht. Für den vollen audiovisuellen Genuss sei die hier besprochene Amiga-Version empfohlen. Das wäre doch mal ein Remake-Kandidat, oder EA?