Als die Amiga Joker Redaktion 1992 einen ersten Screenshot der Amiga-Version von Street Fighter II abdruckte, konnten sie nicht ahnen welchen Hype sie bei einem 14-jährigen Jungen aus München damit auslösen würde.

Der Super Nintendo war gerade ein halbes Jahr auf dem deutschen Markt erhältlich. Das Über-Spiel Street Fighter II: The World Warrior war, neben Super Mario World, das heiße Eisen der Saison, für mich aber nicht zugänglich. Ich besaß die Konsole nicht und musste mich damit abfinden, dass es für mich kein Street Fighter geben würde.

Der heilige Gral

Dann kam der Amiga Joker 11/92 und ich traute meinen Augen nicht, als ich auf Seite 9 blätterte und dort folgende Abbildung vorfand:

sfII-amiga

Mein Herz begann zu rasen und mit schnellen Augenbewegungen verleibte ich mir den dazugehörigen Halbseiter ein, welcher besagte:

„An der trickreichen Steuerung wird momentan noch gefeilt. Letzteres gilt auch für die bislang relativ groben Animationen, dafür ist bereits jetzt unübersehbar, dass die Sprites weder an Größe noch an Farbigkeit oder Detailreichtum verloren haben.“

Das reichte mir als Information. Große, bunte Sprites! Vielleicht würde es etwas ruckeln und komplizierter zu steuern sein – aber hey – ich würde Street Fighter II zocken können, ohne einen Super Nintendo besitzen zu müssen.

Ist es schon da?

Ein paar Monate später terrorisierte ich die ansässigen Game Shops mit zahlreichen „Ist es schon da?!“-Anrufen. Und eines Tages war es soweit – ich konnte mein Exemplar abholen.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ein Mega Drive Gamepad, von dem der Amiga zwei Buttons unterstützte. Das war ein vergleichsweise rudimentäres Spielerlebnis, aber alle wesentlichen Moves waren vorhanden. Es störte mich auch nicht, dass einige Animationen fehlten, Feuerbälle nicht transparent waren, das Parallax-Scrolling reduziert wurde und die Musik teilweise eine andere war. Nur eines ging mir mächtig auf die Nerven – blockte der Gegner einen schweren Move begann der Sound manchmal zu stottern, was der Amiga meist mit der berühmt-berüchtigten „Software-Failure“-Meldung quittierte. Ich weiß nicht wie oft ich das Spiel deswegen neu gestartet habe. Patches gab es damals nicht, also musste man mit dem Fehler leben.

Ist der Andreas da?

Dies änderte natürlich nichts daran, dass ich weiterhin zahlreiche Stunden in das Spiel investierte. Die Faszination so einen modernen Titel auf dem alternden Amiga spielen zu können überwiegte den Ärger. Die naive Freude über den schwächelnden Ableger hielt jedoch nicht ewig. Am Ende des Tages war ich doch immer ganz froh, wenn ich ein paar Runden auf dem Super Nintendo zocken durfte. Glücklicherweise hatte ein guter Freund einen. Und täglich stand ich auf der Matte: „Hallo Frau M., ist der Andreas da?“.