Wir hatten kürzlich mal ein wenig Zeit uns durch die Spieleforen zu quälen. Ihr seid eine ganz schön laut nörgelnde Minderheit, wisst ihr das? Ihr sagt wir als Spieleindustrie zelebrieren den Stillstand mit Remakes und verweisen bei Kritik auf die Vielfalt der Indies?

Natürlich tun wir das! Sollen die doch das Rad neu erfinden! Die Kreativen durften sich bei uns eh viel zu lange austoben. 45 Jahre Nerdtum – irgendwann muss mal Schluss sein. Es gibt nichts unprofitableres als Künstler und Visionäre. Jetzt dürfen die Betriebswirtschaftler und Analysten auch mal ran. Glauben die Leute Spiele sind nur zum Spaß da? Und außerdem: Die anderen machen ja auch nichts mehr bahnbrechendes!

Fliegt die NASA denn zum Mars? Nein. Merkt der Konsument etwas von Moores Law? Nein – vielmehr surft er mit rechenschwachen Klappermühlen durchs Netz und wird in ein paar Jahren nur noch einen ferngesteuerten Cloud-Empfänger nutzen. Euch Verrückten die tatsächlich mögliche Rechenleistung zur Verfügung zu stellen, ist eh viel zu gefährlich und zudem auch nicht wirtschaftlich. Da haben wir lieber die Hand drauf und euch notfalls an der kurzen Leine. Denkt außerdem auch mal an die Umwelt, ihr Egoisten!

Ihr wollt es nicht anders

Zurück zum Thema – warum sollen ausgerechnet wir Innovationstreiber sein? Soll ich euch mal sagen, was ihr wirklich wollt: Den gleichen Scheiß immer wieder. Ihr reisst ihn uns aus der Hand. Und änderen wir etwas daran, rümpfen 70% von euch die Nase.

Hand aufs Herz: Ihr habt weniger Kohle als noch vor 10 Jahren – machen wir uns da mal nichts vor. Und umso kleiner euer Vermögen ist, desto größer werden eure Ansprüche. Zumindest gebt ihr das im Internet an, denn eure Geldbörse macht ihr in Wahrheit nur da locker, wo es etwas billig gibt. Ob ihr sie braucht oder nicht – ihr kauft lieber zehn alte Spiele bei Steam für 5 €, die ihr nie spielt, statt eines für 50€ im Handel, das wirklich aktuell und bahnbrechend ist.

Ich höre immer wieder es wäre unsere Aufgabe die Innovation voranzutreiben und wir dürften den Profit nicht in den Vordergrund stellen. Warum denn? Glaubt ihr uns interessieren unsere Spiele? Glaubt ihr wir beschäftigen uns selbst mit solchen Zeitfressern in unserer Freizeit? Ha! Wir haben viel mehr Spaß dabei euch zuzusehen, wie fanatisch ihr uns den Schund immer wieder aus den Händen reisst, wenn wir nur hier und den Content ein wenig tweaken. Theoretisch reicht es Klamotten der Spielfiguren neu einzufärben und ein neues Cover zu erstellen. Ihr würdet es blind kaufen. Machen wir aber nicht, irgendwo haben auch wir eine Schamgrenze. Naja, bis auf EA. Die machen auch das.

Wie dem auch sei, ich will mal nicht zu hart mit euch ins Gericht gehen. Ich verstehe euch ja ein wenig. Ich hab‘ auch meine Marotten. Ich spiele bspw. gerne an der Börse. Da hat man manchmal den gleichen Nervenkitzel, den ihr habt, wenn ihr euch fragt ob euer neues PC-Spiel auf eurem System funktioniert. Und ob ihr es glaubt oder nicht – aber mich haben Spiele auch mal fasziniert. Rein technisch war es beeindruckend was man aus limitierter Hardware wie einen Apple II herausholen konnte. Heute rennen uns die Kisten im Gigahertz-Tempo davon davon und wir wissen nicht mehr, wie wir sie ausreizen sollen – zu teuer, zu anstrengend und Lust darauf hat irgendwie auch keiner. Ihr seid ja auch nicht mehr zu begeistern. Wenn wir unsere indischen Entwickler-Sklaven Crunch-Time schieben lassen, um euch die 1080p und 60Hz zu geben, die ihr unwissenderweise und nachplappernd einfordert, findet ihr am Ende etwas anderes zu nörgeln. Machen wir uns nichts vor – ihr seid müde, wir sind müde. Ihr wollt eure Gewohnheiten bedient haben, also packen wir euch das gleiche immer wieder neu ein und das Leben geht für alle weiter. So einfach ist das.

Wir sind ja noch da, wenn was ist

Am Ende des Tages sind wir stolz auf unsere Vergangenheit. Wir haben über die Jahrzehnte hinweg einen fantastischen Job gemacht! Wir haben Produkte erschaffen, die immer wieder gekauft werden. 3D-Remake, HD-Remake, demnächst VR-Remakes – da sag noch einer, Games würden nur in der Erstverwertung richtig Cash abwerfen. So lange wir leben, werden wir euch dazu bringen unsere Spiele immer wieder neu zu kaufen. Passives Einkommen ist schließlich wichtig im Alter.

Und wisst ihr was: Wenn euch das nicht passt, dann kauft euch unsere Spiele einfach für eure alten Konsolen. Wir beobachten das und schöpfen auch vom Gebrauchtmarkt ab, wenn sich genug Gestrige finden. Oder entwickelt einfach eure eigenen Spiele und verkauft sie an eure Freunde. Wenn sich mehr als 10 Nasen dafür interessieren, kommt ihr eh zu uns angekrochen und fragt, ob wir sie für euch vertreiben. Machen wir gerne, wenn es sich verkaufen lässt. Wie ihr das dann euren Crowdfunding-Kumpels erklärt ist euer Problem. Ansonsten erwartet bitte nicht mehr viel von uns, wir genießen unseren Lebensabend. Macht ihr jetzt mal euer Ding – wir sind ja noch da, wenn was ist.

Gez.
A. Tari
CEO GrannySoft